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10. Juli 2022

Ergebnisse der bundesweiten Studie „Jugend und Berufswahl“ vorgestellt

Dr. Volker Schmidt (2. v. r.), Prof. Dr. Michael Hüther, Prof. Dr. Renate Köcher und Dr. Bernd Althusmann stellen die Ergebnisse der bundesweiten Studie "Jugend und Berufswahl" vor. Foto: Lorena Kirste

Warum entscheiden sich junge Menschen so häufig für ein Studium und gegen eine Ausbildung? Wer hat den größten Einfluss auf ihre Berufswahl? Und was wünschen sie sich von ihren künftigen Arbeitgebern? Die Antworten auf Fragen wie diese zu kennen, wird für Unternehmen im sich zuspitzenden Fachkräftemangel immer wichtiger. Vor allem bei Unternehmen in den naturwissenschaftlichen und technischen Branchen wirkt der Fachkräftemangel immer häufiger wie ein Bremsklotz.

Daher hat der Arbeitgeberverband NiedersachsenMetall das renommierte Institut für Demoskopie Allensbach mit einer neuen Studie beauftragt, die Aufschluss über die Motivation junger Menschen bei der Wahl ihrer künftigen Karriere und und ihre Haltung zu den sogenannten MINT-Fächern und -Berufen geben soll.

 Vorstellung der Ergebnisse beim Fachkräftekongress

In Face-to-Face-Interviews befragten die Demoskopen Tausende junge Erwachsene zwischen 15 und 25 Jahren zu ihren Zukunftserwartungen, ihren beruflichen sowie persönlichen Prioritäten und ihrer Einstellung zu MINT-Fächern und -Berufen. Die Ergebnisse haben Dr. Volker Schmidt, Hauptgeschäftsführer von NiedersachsenMetall, und Professor Dr. Renate Köcher, Geschäftsführerin des IfD Allensbach, gemeinsam mit Prof. Dr. Michael Hüther, Geschäftsführer des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) und Dr. Bernd Althusmann, niedersächsischer Minister für Wirtschaft, Arbeit, Digitalisierung und Verkehr, beim Fachkräftekongress auf der IdeenExpo vorgestellt.

 Junge Menschen haben hohe Erwartungen

Durch den demografischen Wandel wird die Gruppe der verfügbaren Nachwuchskräfte immer kleiner, was die Unternehmen in einen Konkurrenzkampf um die besten Köpfe treibt. Das ist den Jugendlichen sehr bewusst, wie die Studie zeigt. 60 Prozent der Befragten schätzen die beruflichen Zukunftsaussichten ihrer Generation als gut ein, 19 Prozent sogar als sehr gut. „Der Fachkräftemangel verschärft sich mitten in der Krise, und dieser Umstand stärkt natürlich die Verhandlungsposition der gut ausgebildeten Nachwuchskräfte“, sagt Professor Dr. Renate Köcher.

Dabei zeige sich auch, dass die jungen Menschen der sogenannten „Generation Z“ mit durchaus hohen Erwartungen ins Berufsleben gehen. Sie suchten eine Arbeit, die ihnen Spaß macht, ihren Neigungen und Interessen entspricht und sinnhaft erscheint. „Das Wissen darum, dass sie so begehrt ist, macht die Nachwuchsrekrutierung in dieser Generation selbst für renommierteste Unternehmen mittlerweile zu einer echten Herausforderung“, sagt Dr. Volker Schmidt.

 Nur Minderheit interessiert sich nicht für Technik

Konkret nach den MINT-Fächern gefragt, ist die Mehrheit davon überzeugt, dass Naturwissenschaften und Technik für unsere gesellschaftliche Zukunft sehr wichtig sind und Kenntnisse in Naturwissenschaften es ermöglichen, Zusammenhänge besser zu begreifen. Nur eine Minderheit von 25 Prozent sagt, das Thema interessiere sie einfach gar nicht. „Das beweist, dass wir entgegen der landläufigen Meinung keine technologiefeindliche Gesellschaft sind, schon gar nicht bei den Jüngeren“, sagt Köcher.

Doch aus Sicht von Schmidt liegt in diesem Vorurteil eine enorme Gefahr: „Wenn traditionelle Vorbehalte gegenüber MINT in der Gesellschaft weiter kultiviert werden, wenn das Interesse an Technik bei vielen Jugendlichen dann endet, wenn die Anwendungsebene des iPads verlassen und die Ebene der Programmierung betreten wird, und wenn Berufe, in denen immer wieder Neues entwickelt und entdeckt wird, nur eine Minderheit interessieren, dann läuft in unserer Gesellschaft einiges schief.“

Köcher: "Bleiben bei der positiven Grundhaltung unter unseren Möglichkeiten"

 

Dass die große Mehrheit der jungen Generation Technik und Naturwissenschaften spannend und für die Zukunft wichtig ansieht, beweise die IdeenExpo. „Aber der Link zwischen ,Finde ich extrem wichtig und interessiert mich‘ einerseits und ,Hier möchte ich beruflich Fuß fassen‘ andererseits ist nach unseren Beobachtungen in Deutschland, dem Land der Tüftler und Ingenieure, noch nicht hinreichend ausgeprägt.“

Auch Köcher ist überzeugt: „Wir bleiben unter unseren Möglichkeiten, aus dieser positiven Grundhaltung gegenüber Technik und Naturwissenschaften auch etwas zu machen.“ Denn die grundsätzliche Offenheit gegenüber Technik und Naturwissenschaften garantiere nicht, dass die Mehrheit der jungen Menschen auch ein Interesse dafür entwickele. „Technik und Naturwissenschaften stehen in enger Konkurrenz zu vielen anderen Berufsfeldern“, sagt Köcher.

Verbindungen zwischen Bereichen deutlicher herausstellen

So könnten sich etwa 34 Prozent der Befragten einen Beruf in einem sozialen Bereich vorstellen, dahinter folgen mit einigem Abstand Berufe in IT, Computertechnik und Informatik (22 Prozent). Nach der Einschätzung der gesellschaftlichen Relevanz gefragt, rangiert der Informatik-Bereich hinter den sozialen Berufen und Berufen im Bereich Umwelt- und Klima. „Deshalb ist es ungemein wichtig, dass wir die Verbindungen herausstellen zwischen den einzelnen Bereichen, zum Beispiel zwischen Naturwissenschaften und Klimaschutz. Technik als Mittel, um Herausforderungen zu lösen“, rät Köcher. Die IdeenExpo zeige, wie man MINT anschaulich und begreifbar darstellen kann, sodass die vielen Anwendungsbeispiele in anderen Berufsfeldern wie dem Gesundheitswesen oder dem Klimaschutz deutlich würden.

 Frauen stärker für Technik begeistern

Die starke Konkurrenz zu anderen Berufen zeigt sich im MINT-Bereich vor allem in der Gewinnung von weiblichen Fachkräften. „Die Erwerbstätigkeit von Frauen steigt immer weiter an, doch das kommt vor allem anderen Berufsfeldern zugute“, sagt Köcher. So werde das Bildungswesen sukzessive zur Domäne der Frauen und auch in der Medizin nehme der Anteil von Frauen stetig zu. In den Ingenieursberufen dagegen hat sich die Zahl der Frauen dagegen in den vergangenen Jahrzehnten kaum erhöht – obwohl der Beruf ein gutes Ansehen auch bei Frauen genießt.

„Frauen erobern sich Schritt für Schritt die Bereiche, in denen man viel mit Menschen zu tun hat“, bilanziert Köcher. „Will man also die Frauen für Technik begeistern, muss man deutlich machen, dass der IT-Experte kein einsamer Nerd ist, sondern dass er für und mit Menschen arbeitet.“

 Vielen Jugendlichen ist Vielfalt der Berufe nicht bewusst

Professor Dr. Michael Hüther mahnt, dass den Unternehmen nicht mehr viel Zeit bleibe, sich auf die neuen Anforderungen einzustellen. „Die Fachkräftelücke im MINT-Bereich steigt stark an und sie wird ein enormes Hindernis bei der Bewältigung der großen Herausforderungen sein, die aktuell vor uns liegen.“ Dem pflichtet auch Dr. Bernd Althusmann bei. „Bereits in drei Jahren wird sich die Zahl der Bevölkerung im Erwerbsalter in Niedersachsen um 6 bis 11 Prozent verringern.“

Dem entgegen stünden zahlreiche Studien, die zeigten, dass in Zukunft weit mehr MINT-Fachkräfte ausgebildet werden müssen als bisher. „Ich bin überzeugt davon, dass sich für junge Menschen ein Studium oder eine Ausbildung im MINT-Bereich lohnt. Die Bezahlung ist überdurchschnittlich und die Jobsicherheit ist groß.“ Doch viele Jugendliche seien sich der Vielfalt der Berufe nicht bewusst.

 Lehrer üben großen Einfluss aus

Hüther sieht deshalb in den Schulen und vor allem in den Lehrkräften einen wichtigen Partner bei der Gewinnung zukünftiger Fachkräfte für Naturwissenschaften und Technik. „Lehrer sind für junge Menschen eine zentrale Figur bei der Mobilisierung ihrer Interessen.“Das funktioniere aber nur, wenn die Lehrer einen direkten Einfluss ausüben können. „Online bekommen wir das nicht hin, und deshalb muss Distanzunterricht möglichst verhindert werden.“

Ergebnisse der Studie "Jugend und Berufswahl" (Auszug)

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